Rituale und Tänze


 
  Bei den meisten nordamerikanischen Indianern war der Glaube an übernatürliche Kräfte stark ausgeprägt. Hinter jeder Naturerscheinung - ob es der Wind, der Regen, oder Blitz und Donner war - sahen sie eine höhere Macht in Form von Geistern.
Die Indianer glaubten, das alle Dinge - ob es Lebewesen oder unbelebte Dinge waren - eine Seele hatten. Jeder Indianer hatte das Ziel, einen persönlichen Schutzgeist zu finden, der ihm bei der Jagd, im Kampf, aber auch für seine Gesundheit und für sein Ansehen bei Seite stand.
Auf der Suche nach diesem Schutzgeist, zog sich der Indianer für mehrere Tage in die Einsamkeit zurück, in der Hoffnung, ihn in einem Traum zu finden.

Während dieser Zeit nahm er keine Nahrung zu sich, da man glaubte, dass sich die Wahr- nehmung während des Traums dadurch verbessert. Der Geist konnte dann in jeder Form in Erscheinung treten. So konnte z. B. eine Adler, ein Hund, aber auch irgendein Gegen- stand zum Schutzgeist werden, wenn der Indianer sie im richtigen Augenblick sah.
Durch den Geist erfuhr er auch, welche Dinge ihn in seinem Leben Glück bringen.
Diese Dinge (Stein, Feder, Halsband etc.) sammelte der Indianer dann schließlich, und stellte daraus seinen persönlichen Medizinbeutel zusammen, den er dann ständig wie ein Talisman bei sich trug.
 


 Der Geistertanz
 
 
 Am 1. Januar des Jahres 1889 hatte der Prophet und Seher Wovoka vom Stamm der Paiute eine Vision.
Während einer Sonnenfinsternis soll er von einer göttlichen Stimme den Auftrag erhalten haben, als Erlöser zu den Indianern Nordamerikas zurückzukehren. Von nun an fühlte er sich berufen, und verkündete die Lehre über ein neues Zeitalter, in dem alle Indianer vom Joch des weißen Mannes befreit werden, nachdem dieser durch eine gewaltige Katastrophe vernichtet wird.
Seine Kunde verbreitete sich in Windeseile bei allen Nordamerikanischen Indianern, ins- besondere bei den Präriestämmen.
Er löste damit die so genannte Geistertanzbewegung aus, bei der unter monotonen Gesängen und dem dröhnen der Trommeln so lange getanzt wurde, bis die Mitwirkenden vor Erschöpfung in Trance vielen, und sich dabei im Jenseits versetzt glaubten, wo sie ihre toten Stammesbrüder wieder trafen.
Gewaltige Kriegsheere, so sollen die Stammesbrüder ihnen dann erzählt haben, würden in die Gegenwart zurück- kehren, und den weißen Mann vertreiben. Alle Indianer würden dann auf "ewiges Glück" vereint, und die gesamte Erde würde neu erschaffen werden.


   
 Die neue Religion lehnte Kriege, Kämpfe und Grausamkeiten ab. Daher standen die Weißen zunächst positiv dieser neuen Bewegung gegenüber. Nachdem der Geistertanz aber von immer mehr Stämmen übernommen wurde, und insbesondere die Sioux die friedlichen Gebote abschwächten, betrachtete die US-Regierung den Geistertanz als Gefahr, da sie in ihm eine neue Form des Widerstandes sah.
Bereichert durch kriegerisches Gedankengut, trugen die Sioux beim Tanz "Geisterhemden", von denen sie glaubten, sie würden Kugeln abwehren.


 
 Die Amerikaner sahen dies als politischen und religiösen Protest an und befürchteten einen neuen Aufstand. Als Sitting Bull, Häuptling der Hunkpapa-Sioux, aufgefordert wurde, den Geistertanz im Standing Rock Reservat zu verbieten, machte er sich über die übertriebene Sorge der Weißen nur lustig. Das bestärkte die Amerikaner aber in der Annahme, dass Sitting Bull einer der Führer der Bewegung sei. Als dieser daraufhin verhaftet werden sollte, wurde er am 15. Dezember 1890 von dem Indianer-Sergant Red Tomahawk in einem Handgemenge erschossen.

Nach diesem Mord stieg die Empörung unter den Sioux ins unermessliche. Unter der Führung vom Ninicounjou-Häuptling Big Foot machten sich 149 Männer, Frauen und Kinder auf, ihr Reservat zu verlassen, wurden aber schon kurze Zeit später von der 7. US-Kavallerie am Wounded Knee gestellt. Dort wurden alle am 29. Dezember 1890 im letzten grausamen Massaker der Indianerkriege mit Schnellfeuerkanonen erschossen. Damit war die Unterwerfung der Indianer Wirklichkeit geworden und der Glaube an der Geistertanzbewegung war schlagartig dahin. Wovoka selbst beendete die Bewegung mit den Worten: "Meine Kinder, heute rufe ich euch auf, einen neuen Pfad zu beschreiten, den einzigen Pfad, der euch noch offen steht - die Straße des weißen Mannes".

 
 
 Der Sonnentanz
 
 
 Zu den wichtigsten Festen fast aller Prärieindianern gehört der Sonnentanz.
Da von Sonnenanbetung überhaupt nicht die Rede ist, eine unzulängliche Bezeichnung.
Verschiedene Stämme hielten ihn einmal im Jahr ab, andere z. B. die Krähen, seltener. Von diesem Fest wurden gewaltige Visionen und segensreiche Auswirkungen für den gesamten Stamm erwartet.
 
Das Fest bestand zum größten Teil aus einem Tanz. Dieser fand auf einem abgeschlossenen Platz um oder gegenüber einem Pfahl,
der unter feierlicher Zeremonie vorher gefällt worden war, statt.
Wie viele rituelle Tänze der Prärieindianer war der Tanz ernst und äußerst einfach. Die Tänzer bewegten sich kaum von der Stelle.
Während der gesamten Zeremonie nahmen die Sonnentänzer weder Speise noch Trank zu sich.
Getanzt wurde bis sie in Trance fielen und eine Vision erfuhren.
Bei einigen Stämmen, wie etwa den Sioux wurden auch Opfer dargebracht, oder die Tänzer bewiesen ihren Mut durch Selbstfolterungen.
Hierbei wurden den Tänzern kleine Holzspieße durch die Haut über der Brust gestoßen, die mit Riemen am Zentralpfosten besfestigt waren. Nachdem sie den Pfosten umarmt und Gebete verrichtet hatten, tanzten sie vom Pfosten weg und lehnten sich beim Tanz immer weiter zurück, bis die Haut einriß und sie sich von den Riemen befreit hatten
1910 wurde der Sonnentanz vom amerikanischen Amt für indianische Angelegenheiten verboten.
Grund war die darin vorkommenden Selbstkasteiungen. Diese staatliche Stelle bemühte sich in jenen Jahren
die indianischen Religionen zu unterdrücken.

Das dabei die Verfassung schamlos verletzt wurde, spielte keine Rolle.
Es wurde ebenfalls nicht berücksichtigt ob ein Stamm bei dieser Feier Torturen anwandte oder nicht.
1934 wurde jedoch das Recht der Indianer auf Religionsfreiheit anerkannt, worauf der Sonnentanz von einigen Stämmen in veränderter Form wieder aufgenommen wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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